Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt

Neubau Bakensetzboot PRICKE II

Allgemeines

Die Nebenfahrwasser im Wattenmeer der Nordsee werden durch Pricken, Baken und Stangen für die kleineren Wasserfahrzeuge wie z.B. Fischkutter gekennzeichnet. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Tönning ist zuständig für ca. 1670 Stangenseezeichenpositionen in 34 Wattfahrwassern und 7 Sperrgebieten in der Nordsee. Zur Bearbeitung der Stangenseezeichenpositionen werden zur Zeit zwei Bakensetzerboote eingesetzt. Der Nordbereich, im Außenbezirk Amrum, wird vom Arbeitsboot "BUTTSCHER" aus bearbeitet, der Südbereich, im Außenbezirk Tönning, von der "PRICKE".

Vorgeschichte

Das aus Aluminium gefertigte Arbeitsboot "PRICKE I" wurde 1998 als erstes Bakensetzerboot dieser Art in Dienst gestellt. Aus wirtschaftlichen und vor allem aus arbeitsicherheitstechnischen Gründen, war eine Arbeitsweise mit den bis dahin eingesetzten Arbeitsbooten nicht mehr möglich.

Das Konzept eines einfachen aber stabilen und wendigen Arbeitsbootes wurde seinerzeit vom WSA Tönning aufgestellt und in diesem ersten Boot Pricke erfolgreich umgesetzt. Im Laufe der Betriebszeit wurden mehrere Verbesserungen und Instandsetzungen vorgenommen. Zur Verstärkung der Bootsstruktur wurden nachträglich Profile von innen auf die Außenhaut aufgeschweißt. Weitere Schweißungen und Aufplattungen waren im Ruder- und Wellenbereich erforderlich. Der äußere Korrosionsschutz musste mehrfach erneuert werden.

Überdurchschnittliche Beanspruchung und Belastung des Bootes, ein massiver Wassereinbruch und Korrosionsschäden führten zu Lochfraß im Innenraum. Die Schäden konnten nur teilweise behoben werden.

Eine Grundinstandsetzung wurde als unwirtschaftlich verworfen, somit wurde eine Ersatzbeschaffung ausgeschrieben.

Aufgrund des bestehenden Anforderungsprofils an das Bakensetzerboot wurden an dem System nur wenige Veränderungen vorgenommen. Weiterhin sollte ein leichtes, wendiges Aluminiumboot zum Einsatz kommen. Eine max. Länge von 7,99 m und ein max. Tiefgang von 0,55 m waren einzuhalten.

Pricke 2 Bild vom Tauftag

Anforderungen an den Neubau

Alle sich aus dem bisherigen Betrieb ergebenden Erkenntnisse und Vorgaben aus einem Sachverständigengutachten sind in den Neubau mit eingeflossen. In der Vergangenheit aufgetretene Probleme mit elektrolytischer Korrosion und Gefügekorrosion sollten beim Neubau des Bakensetzerbootes durch folgende Maßnahmen vermieden werden:

  • Vorlage von Nachweisen bezüglich der Erfahrungen im Aluminiumschiffbau von der Bauwerft.
  • Wirksame Isolierung bzw. Trennung vom Werkstoff Aluminium zu anderen Metallen durch Gummis, Kunststoffe o.ä.
  • Potentialfreie Konstruktion zur Vermeidung von Fehlerströmen.
  • Verwendung von hochwertigem, seewasserbeständigem Aluminium, mind. AlMg 4,5 Mn oder höherwertig. Lieferung der Werkstoffnachweise.
  • Exakte Auslegung eines Anodenplanes mit Ausstattung des Bootes an allen gefährdeten Stellen..
  • Zur Vermeidung von Schwitzwasser im Inneren des Bootes wurde eine leistungsstarke Entlüftungsanlage installiert sowie auf eine exakt abdichtende, spritzwassergeschützte Deckelluke geachtet.
  • Innenbeschichtung des Bootes mit einem speziellen Konservierungssystem.

Umsetzung der Maßnahme

Nach EU-weiter Ausschreibung im "Offenen Verfahren" wurde der Auftrag an die Deterswerft in Berne/ Motzen im September 2011 erteilt. Die Abnahme und Taufe mit der Indienststellung des neuen Arbeitsbootes erfolgte im Juni 2012 im Rahmen einer kleinen Feier in Büsum.

Bei strahlendem Sonnenschein wurde das 150.000 € teure Boot von der Taufpatin Petra Freers auf den Namen "PRICKE" getauft.

Autor: Jörg Conradsen