Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt

Das Amtsgebäude in Tönning

"Nach einem Berichte des königlichen Landrathsamts zu Tönning eignet sich das frühere Fährhaus in Tönning, welches uns - zufolge Erlasses des Herrn Oberpräsidenten vom 30. Mai d. J. - übertragen werden kann, zur Wohnung für den Baubeamten. Wir sind bereit die Genehmigung hierzu zu beantragen, wenn der Staatskasse weder durch die erste Bestandsnutzung noch durch die künftige Mieterhaltung des Gebäudes Kosten erwachsen. Ferner dürfen der Staatskasse auch nicht bei Rücklieferung des Gebäudes Kosten wegen Ersatzes aufgewandter Reparaturen entstehen. Mit Rücksicht hierauf ersuchen wir Ew. Hochwohlgebohren um eine baldgefällige Aeußerung darüber ob Sie unter diesen Bedingungen das Haus als Miethwohnung entweder gegen Zahlung der vom 19. August 1877 offerierten Miethe von 330 Mark oder gegen eine andere jährliche Miethszahlung übernehmen wollen. Königliche Regierung, Abteilung des Inneren"**

Mit diesem Schreiben der Königlich Preußischen Regierung vom 26.7.1879 an den königlichen Kreisbaumeister von Wickede beginnt die "Verwaltungs"-Geschichte des Fährhauses auf dem Robbenberg in Tönning. Zunächst diente es (ab 1882) dem Kreisbaumeister und dann ab 1.5.1884 dem königlichen Wasserbauinspektor und seinen Nachfolgern als Wohn- und Amtsgebäude. Als Wohnung für den Amtsleiter wurde es bis 1980 genutzt.

Errichtet wurde das Gebäude um 1808/09. Seitdem sind im Laufe der vielen Jahrzehnte insgesamt sechs größere Umbauten und Erweiterungen vorgenommen worden. Waren zunächst nur Büroräume für den Wasserbauinspektor und seinen Sekretär erforderlich, stieg der Raumbedarf mit den zugewiesenen Aufgaben doch sehr schnell an. Schon in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude zweimal erweitert (1895 und 1898), die nächste Vergrößerung erfolgte bereits 20 Jahre später. Anfang der 60er Jahre ist das alte Gebäude zum letzten Mal verlängert worden. Zusätzlich wurde es notwendig, auf den Freiflächen zwei bereits gebrauchte Holzbaracken zu errichten, zum einen die alte Bauleitungsbaracke vom Bau des Eider-Sperrwerkes und zum anderen eine Baracke, die schon beim Wiederaufbau der Hafenanlagen auf Helgoland ihren Dienst tat; das letztgenannte Provisorium neben dem Amtsgebäude - zwischenzeitlich auch für einige Jahre vom neu gegründeten Nationalparkamt genutzt - sollte dann über 40 Jahre währen!

Anfang der 80er Jahre begannen dann wiederum Planungen für die Schaffung von zusätzlichen "festen Amtsräumen" für das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Tönning, die sich dann Mitte der 90er konkretisierten. Es zeichnete sich ab, dass die Holzbaracken nur noch kurze Zeit nutzbar waren. Viele von den vorhandenen Diensträumen waren überbelegt. Und die Informationstechnik hielt in der Verwaltung Einzug - mit der Notwendigkeit "DV-gerechte" Arbeitsplätze einzurichten.

Eine zwischenzeitlich geführte Diskussion über ein komplett neues Amtsgebäude auf der grünen Wiese führte zu dem Ergebnis, dass der Standort auf dem Robbenberg mit dem vorhandenen Altbau für das WSA Tönning auch nach über 100 Jahren der einzig richtige ist.

Nach Bauantrag und baufachlichem Gutachten in den Jahren 1994/95 erhielt das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein den "Planungsauftrag für die Erweiterung und Herrichtung des vorhandenen Dienstgebäudes des WSA Tönning". Im April 2000 wurde die Haushaltsunterlage-Bau mit einer Baukostensumme von 2,24 Mio. € genehmigt.

Einen Monat später begannen die Baumaßnahmen mit der Errichtung eines Erweiterungsbaus (1,3 Mio. €). Dieses zweigeschossige, mit einem Verbindungsbau an das Altgebäude angeschlossene Gebäude hat einen rechteckigen Grundriss von 36,5 x 12 m. Die gesamte Nutzungsfläche beträgt 722 m2, 20 Büroräume mit unterschiedlichen Größen, 1 Zeichenbüro und 1 Besprechungsraum teilen diese Fläche in der Hauptsache auf. Hinzu kommen Sozial-, Sanitär- und Technikräume. Das Gebäude liegt direkt am Deich, ist von seinem äußeren Erscheinungsbild modern, hält sich aber gegenüber dem Altbau, der einen wichtigen optischen Eckpunkt des Tönninger Hafens darstellt, im Hintergrund.

Am 9.7.2001 konnte der Neubau an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sachbereiches 2, die bis dahin in der Mehrzahl in den o.a. Baracken untergebracht waren, übergeben werden.

Amtsgebäude mit Anbau Amtsgebäude mit Anbau Amtsgebäude mit neuem Anbau

Danach erfolgte die Herrichtung des Altbaus (1,0 Mio. €) in drei Bauabschnitten. Das Gebäude erfuhr von außen und innen die erste wirkliche Grundsanierung. Es zeigte sich, dass dies dringend notwendig war, wobei viele Mängel erst bei den Bauarbeiten zu Tage traten. Auch der Altbau ist nun auch auf dem neuesten Stand der IT-Technik. Eine Brand-Einbruchmeldeanlage sorgt für Sicherheit und in der kalten Jahreszeiten liefert eine Heizzentrale im Neubau die notwendige Wärme in beide Gebäude.

Nach 3,5 Jahren Gesamtbauzeit wurden die Baumaßnahmen mit einer Feier am 7.11.2003 offiziell abgeschlossen. Die Ausgaben lagen trotz der erst bei der Ausführung entdeckten Schäden nur 100.000 € über der Entwurfssumme.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtsgebäudes des WSA Tönning fühlen sich wohl in den neuen und alten Gemäuern. In den hellen und freundlichen Räumen lässt sich ausgezeichnet arbeiten.

Wer auf der Bundesstraße 5 über die Eiderbrücke fährt, sollte zu mindestens einen Blick auf das markante Gebäude am Hafen werfen!

**Das alte Fährhaus/Quartier Nr. 18 ist heute "Am Hafen 39", das neue Fährhaus/Quartier Nr. 18a ist heute "Am Hafen 40" und seit 1882 fester Dienst- und Wohnsitz der Staatsbeamten (Quelle: Gesellschaft für Tönninger Stadtgeschichte, Mitteilungsblatt Heft 23, Heinz-Jürgen Frey: Quartiere, Straßen und Häuser in Tönning im 19. Jahrhundert)